In jungen Jahren schon Verantwortung tragen
Vorstandswahlen: Julia Rykena wird neue Beisitzerin – Heike Heims ist jetzt Geschäftsführerin – Run auf die Karten für die Herbst-Revue „Ein Festival der Liebe“
Mit flinken Fingern gleitet Julia Rykena über die Tastatur ihres Laptops. Sie führt während der Mitgliederversammlung der Niederdeutschen Bühne Norden das Protokoll. Seit zwei Jahren arbeitet die junge Frau bereits – ebenso wie Lena Bredemeier-Rink und Malte Tönjes – als „Praktikantin“ im Vorstand mit. Nach den Neuwahlen hat die 26-Jährige nun als zweite Beisitzerin auch ein offizielles Amt übernommen. Sehr zur Freude der übrigen Vorstandsvertreter, denn es ist heute nicht selbstverständlich, dass junge Leute sich in solchen Gremien engagieren.
„Mir ist halt die Norder Bühne sehr wichtig, und für deren Erhalt muss man dann auch etwas tun, auch wenn man jung ist“, erklärt Julia Rykena. Zudem sei es ja vielleicht ganz gut, wenn man neue Ideen mit einbringen könne, wie zum Beispiel die Präsentation der Bühne über Social Media. „Wir sind eine gute Truppe, es macht Spaß, da mitzuwirken. Ich habe ohnehin Freude an organisatorischen Aufgaben, und man bekommt hier dadurch einen anderen Blick für das große Ganze“, betont sie. Während der Zeit als „Praktikantin“ habe sie bereits hinter die Kulissen des Vereins schauen und erleben können, wie viel Arbeit im Vorstand geleistet werde, die man sonst gar nicht mitbekomme.
Die 26-Jährige freut sich auf ihr neues Amt und wünscht sich, dass es für die Bühne weiterhin so gut läuft wie es jetzt ist – „vor allem nach der Corona-Pandemie, die uns damals vor arge Probleme gestellt hat“. Sie hofft, dass es künftig weiter bergauf gehen werde und auch noch mehr junge Menschen auf die Bühne aufmerksam würden. „Wichtig ist außerdem, dass die plattdeutsche Sprache weitergelebt wird, und das über künftige Generationen hinweg“, sagt sie. Es gebe einige Menschen, die Platt noch im Alltag sprechen würden, aber das seien die wenigsten. Die Bühne fördere den Erhalt der Sprache oder wecke wenigstens das Verständnis dafür.
Laut Abstimmung der Mitglieder bleibt Dieter Hattermann nach wie vor Bühnenleiter. Die Geschäftsführung liegt nun in Händen von Heike Heims (bisher stellvertretende Geschäftsführerin). Der bisherige Amtsinhaber Bruno Stürenburg kandidierte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Er bedankte sich für das Vertrauen, dass ihm die Mitglieder all die Jahre entgegengebracht hätten. „Ich weiß, dass ich immer als pingelig gegolten habe, aber ich habe nicht mein eigenes Geld verwaltet, sondern das der Bühne, und da war ich sehr genau“, sagte er. Sein gesundheitlicher Zustand lasse diese Arbeit nicht mehr zu, daher sei dies die letzte Sitzung für ihn als Geschäftsführer und Vorstandsvertreter. Nun müssten andere diese Verantwortung übernehmen. Dieter Hattermann dankte Stürenburg im Namen des Vorstandes für sein langjähriges Wirken zum Wohl der Bühne.
Als neue stellvertretende Geschäftsführerin sowie weiterhin als Kassiererin fungiert nun Heike Müller-Feldmann, erste Beisitzerin ist Magret Martens (Öffentlichkeitsarbeit), zweite Beisitzerin Julia Rykena (unter anderem Protokollführung und Social Media), Spielleitervertreterin bleibt Jutta Julius und Bühnenbauvertreterin Anke Friedewold. Der Vorstand wird daneben weiterhin von Lena Bredemeier-Rink und Malte Tönjes unterstützt.
Kassenprüfer sind Berthold Mennen und Hauke Ahrends.
Run auf Revue-Karten
Geschäftsführerin Heike Heims berichtete, dass für die im Herbst geplante Wiederaufnahme der sehr erfolgreichen 1970er-Jahre-Musikrevue „Ein Festival der Liebe“ (Autor und Regie: Philip Lüsebrink) bereits schon jetzt 50 Prozent der Eintrittskarten verkauft seien. Das sei großartig und ein gutes Zeichen dafür, dass die Freunde der Norder Bühne diese besondere Revue offensichtlich noch einmal anschauen wollten, sagte sie. Schon jetzt sei eine Zusatzvorstellung fest eingeplant, und zwar am 6. November.
Rückblick
Bühnenleiter Dieter Hattermann berichtete in seinem Rückblick unter anderem von einer „sehr interessanten und lehrreichen“ Brandwachen-Übung der Freiwilligen Feuerwehr im Theater Norden. Einige Bühnenmitglieder hätten als Statisten daran teilgenommen sowie auch deshalb, weil die Bühne das Theater regelmäßig nutze. Als der Ernstfall geprobt worden sei, sei schnell deutlich geworden, dass die Aufforderung der beiden zuständigen Brandwachen an die Besucher, den Saal sofort zu verlassen, in der Menge kaum zu hören gewesen sei. „Vielleicht sollten sie in so einer Situation auch noch mit mehr Mimik und Gestik arbeiten, damit das Saalpublikum versteht, was sie meinen“, meinte er.
Die Feuerwehr habe der Bühne geraten, selbst bei jeder Aufführung eine Person zu stellen, die im Ernstfall dafür sorge, dass die eigenen Leute sofort die Theater-Räume (vor allem auch unten in den Umkleide- und Sanitärräumen) verließen, fuhr Hattermann fort. So könne sichergestellt werden, dass niemand übersehen und zurückgelassen werde. Derweil könne sich die Feuerwehr um die übrigen Menschen kümmern. „Darauf sollten wir ein Augenmerk legen“, betonte er.
Ferner sei die Bühne – ebenso wie andere Ehrenamtliche – von der Norder Stadtverwaltung zur Kino-Premiere im Theater eingeladen worden. „Wir durften als Erste den Auftaktfilm ,Extrawurst‘ sehen. Es gab Popcorn, Getränke und nach der Aufführung noch ein Beisammensein bei Grillwürsten, Pommes und Getränken“, berichtete Hattermann. Sehr gut sei, dass die Bühne in ihren Spielzeiten für die Kino-Abende im Theatersaal nichts abbauen müsse, denn die Leinwand werde einfach vor den Kulissen heruntergefahren. „Die Stadt will so eine Veranstaltung jetzt jedes Jahr organisieren“, sagte er. Mit der neuen Bestuhlung dürften die Getränke künftig im Kino mit in den Saal genommen werden, daher vermutlich auch bei den Theateraufführungen. „Da muss man sehen, wie sich das entwickelt und wie sich die Zuschauer verhalten“, sagte er.
Neue Probenbühne
Lob gab es für das Bühnenbau-Team. Die Gruppe hat unter Leitung von Anke Friedewold die Probenbühne im Vereinsheim erneuert und sie gleichzeitig um rund 30 Zentimeter abgesenkt. Das hat den Vorteil, dass sowohl die Bühnenbauer als auch die Darsteller nun nicht mehr einige Stufen hochgehen müssen, um die “berühmten Bretter, die die Welt bedeuten”, zu erklimmen.
Bevor die neuen Bretter auf dem Balkengerüst komplett geschlossen wurden, verstaute das Kulissen-Team einen Koffer mit allerlei Utensilien – wie die aktuelle Kurier-Ausgabe, ein Glas mit dem 100 Jahre-Logo, einen Flyer mit dem aktuellen Programm von Bühne, Chor “Nörder Sing-Spill” und Freilichtaufführung “Lebennig Krippenspill”, einen kaputten Hammer, Pinsel, eine Karte mit allen Unterschriften des Teams, Fotos sowie die Chronik über die 100-jährige Geschichte der Norder Bühne – für die Nachwelt. “Wenn die Bühne in 40 Jahren eventuell wieder saniert werden muss, wird dieser Koffer-Rückblick bei unseren Nachfolgern vielleicht ein kleines Lächeln hervorzaubern”, meinte Friedewold mit einem Augenzwinkern. Die Probenfläche erhielt zum Schluss noch einen neuen grauen Anstrich und wartet nun darauf, dass sie wieder bespielt wird.